Simone Rüppel, Korbmachermeisterin
Die Kunst des Flechtens - Zauberhafte uralte, natürliche Handwerkskunst
Die kommende Ausstellung in der Schlossgärtnerei ist dem Thema 'Geflochtene Objekte' gewidmet und wird von der bekannten, im Zürcher Oberland wohnhaften Korbflechtmeisterin Simone Rüppel gestaltet. Sie dauert vom 5. Juni - 31.Oktober 2010 und ist während den Öffnungszeiten der Gärtnerei frei zugänglich (Mo-Fr 08:00-17:00, Sa 08:00-12:00). Vernissage ist am Samstag, 5. Juni 2010 um 15.30 Uhr im Gewächshaus der Schlossgärtnerei Uster. Die ausgestellten Objekte können teilweise gekauft werden.
Geflochtene Gebrauchsgegenstände waren bis in die jüngste Vergangenheit allgegenwärtig. Ob als Wand oder Zaun, Fuhrwerk, Kutsche oder Boot, zum Transport von Tieren, Früchten, Gemüse, Heu, Wäsche oder Werkzeugen, als Kochtopf, Sieb, Salatschleuder, Teebesen, Fächer, Schirm, Paravent, Hut, Mieder, Schuhe, Korbstühle, Schaukelstühle, Tische, Liegen, Kinderwagen – ohne Korbwaren ging es nicht.
Flechten ist ein Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes – das Hauptwerkzeug sind beide Hände. Immer wieder ist es selbst für die Fachfrau faszinierend, wie aus langen, geraden Ruten dreidimensionale Gebilde entstehen. Die Materialien sind vielfältig und werden bestimmt von den Schätzen in der natürlichen Umgebung. In unseren Breiten verwendete man hauptsächlich Weiden oder stellte Späne aus Wurzeln, Haseln, Kastanien, Eichen oder Tannen her. Aus Gräsern entstanden Bienenkörbe oder Schüsseln. In Skandinavien mit seiner kurzen Wachstumsperiode griff man auf Birkenrinde zurück oder flocht mit Binsen.
Neben dem Verwendungszweck bestimmten auch Zeitgeist und Geschmack die Flechterei. So galten lange Zeit Körbe aus geschälten Weiden als besonders wertvoll, wohingegen Geflochtenes aus ungeschälten Weiden minderwertig war. Mittlerweile werden ungeschält verarbeitete Weidenruten wegen ihres Farbenspiels wieder sehr geschätzt.
Wussten Sie, dass das Wort ‚Wand’ abgeleitet ist vom Verb ‚winden’ und ‚das Gewundene, das Geflochtene’ bedeutet? Die Technik des Flechtens war nachweislich schon den Pfahlbauern bekannt. Mit geflochtenen Wänden erstellten sie Häuser, mit Flechtzäunen schützten sie ihre Siedlungen und Gärten. Hinweise auf geflochtene Stühle und andere Gegenstände liefern auch 10'000 Jahre alte Steinreliefs, die in Gräbern gefunden wurden (wer Interesse an solchen Funden hat, dem sei das Laténium in Neuchâtel empfohlen: www.latenium.ch).
Die zunehmende Verbreitung von Wellkarton Anfang des 20. Jh. und Plastik in den fünfziger Jahren führte zu einem rasanten Niedergang des Flechthandwerks. Die Post, früher im Postkorb transportiert, wird nun in Plastikboxen geliefert, der geflochtene Wäschekorb wurde vom bunten Plastikkorb abgelöst, Gemüse und Obst werden in Karton und Folie verpackt, Kinderwagen und Lounge Möbel aus Kunststoff geflochten. Die traditionellen Körbe, deren Verwendungszweck jeder auf den ersten Blick erkannte, sind aus dem Alltag fast verschwunden. Nur eine kleine Bastion Unbeirrbarer hält an diesem schönen Handwerk fest.
Ob Flechtzaun, Weidenhaus, Rankgerüst, Kugeln, Stelen oder Stützen, aus Weiden und anderen natürlichen Flechtmaterialien lassen sich wunderbare Dinge zaubern, und das nachhaltig, ohne Umweltbelastung. Wer gerne einmal selber Hand anlegen möchte, hat Gelegenheit, am Kurs ’Gartengeister-Flechtobjekte’ teilzunehmen, der Ende Juli von Simone Rüppel in der Schlossgärtnerei durchgeführt wird.
| Flechtkurs ’Gartengeister-Flechtobjekte’ Für Wagemutige und Fortgeschrittene
Datum: Freitag-Samstag 30.-31. Juli 2010 von 9.30-16.30 Uhr. Kursinhalte: Schlingelwingel, Gartenzwerg, Rabenvogel und Storchenbein geben sich ein Stelldichein. Geflochtene Objekte aus Weiden, Holz und Allerlei, figürlich und abstrakt. Kosten: Fr. 300.- plus Materialverbrauch ca. Fr. 55.- Kursort und Anmeldung: Schlossgärtnerei Züger, Schlossweg/Burg, 8610 Uster Anmeldeschluss: 16. Juli 2010 Tel. 044 940 43 34 – Fax 044 941 89 49 – Email: info@schlossgaertnerei-zueger.ch |
